Heeresmunitionsanstalt Dessau (Muna Kapen)
Kategorie: Ehemaliges Chemiewaffenwerk / Militärisches Sperrgebiet / Industriepark
Dunkle Geschichte: Munition und Gas
Die ab 1935 errichtete Anlage im Waldgebiet Kapen bei Dessau war weit mehr als ein gewöhnliches Munitionslager. Ab 1938 diente sie als zentrale Füllstelle für chemische Kampfstoffe. In einem massiven Hochbunker mit acht riesigen Zisternen wurden hunderte Tonnen Senfgas (Lost) und andere Kampfstoffe gelagert und in Granaten sowie Fliegerbomben abgefüllt.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier etwa 1.150 Personen beschäftigt, darunter hunderte Zwangsarbeiterinnen, die unter lebensgefährlichen Bedingungen für die deutsche Kriegsmaschinerie arbeiteten. Zudem gilt Kapen als ein Ort, an dem die Entwicklung der Panzerfaust vorangetrieben wurde.
Kontamination und DDR-Nutzung
- Sowjetische Ära: Nach 1945 übernahm die Rote Armee das Gelände und nutzte es bis 1990 als Munitionslager (ASB 3727).
- VEB Chemiewerk: In einem Teil der Anlage entstand das VEB Chemiewerk Kapen, das unter anderem Handgranaten, Minen und Selbstschussanlagen (SM-70) für die innerdeutsche Grenze produzierte.
- Giftiges Erbe: Da die Entsorgung der Kampfstoffreste nach dem Krieg oft unsachgemäß erfolgte, blieb das Gelände schwer belastet. In den 1950er Jahren wurden Restbestände in einem Bunker eingemauert, die erst Jahrzehnte später aufwendig geborgen werden mussten.